Einladung zur Vereinsversammlung
Mittwoch, 4.Juni 18 Uhr, KulturAtelier, Oberdorfstrasse 2, 8001 Zürich

Traktanden

  1.        Begrüssung
  2.        Protokoll der Sitzung vom 12. Mai 2006
 
3.        Jahresberichte 2006 und 2007
 4.        Jahresrechnungen 2006 und 2007
            - Genehmigung der Jahresrechnungen
            - Berichte der Revisionsstell
           
- Genehmigung der Jahresbeiträge  
5.         Wahlen / Bestätigung
            - Vorstand     
            - Revisionsstelle
6.         Statutenänderung
            - Art. 4. streichen der konkreten Zahlen der Jahresbeiträge
            -  Art. 5. Vermögensertrag streiche
7.         Vorgesehenes Programm 2008
8.         Mitgliederwerbung: Aufruf zur Mithilfe
9.         Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung: mit der Bitte um Vorschläge
           
- Kooperationen
            - mäzenatische Unterstützung
           -Sponsoring
10.       Fragen und Anregungen

* * * * * * * * * * *

Im Anschluss an die Versammlung wird ein Apéro serviert. Wir hoffen auf eine rege Teilnahme und grüssen Sie herzlich

Arina Kowner
(Für den Vorstand)

 

 

Jahresbericht 2007
des Vereins OKNO – Fenster zur russischen Kultur

 

Zu den Zielsetzungen

Im Jahre 2007 feierte OKNO sein fünfjähriges Bestehen. Der Verein setzte seine Tätigkeit der Vermittlung und Förderung
russischer Kultur sowie der Unterstützung des Dialoges zwischen russischer und westlicher Kultur fort.  Im Zentrum der
Aktivitäten des Vereins stand nach wie vor die monatliche Veranstaltungsreihe. Es ist erfreulich, dass neben
OKNO-Interessierten aus der Schweiz auch solche aus dem Süddeutschenraum die Veranstaltungen besuchen.
Dank dem Apéro kommt nach den Anlässen zu lebhaften, angeregten Diskussionen. Die Besucher fühlen
sich „wie zu Hause“. Ein besonderes Ereignis war die Eröffnung des Ausstellungsraumes im 1. Stock an der
Oberdorfstrassse 2 mit einer Einzelausstellung des bekannten russischen Künstlers Eduard (Edik) Steinberg aus Moskau.  
Bei zahlreichen Gelegenheiten traten russische und schweizerische Kulturschaffende  zusammen auf.  

Kulturvermittelung und Kulturförderung

Der Verein OKNO wirkte weiterhin als Anlauf- und Vermittlungsstelle für Kulturschaffende, die Auftrittsmöglichkeiten
suchen sowie für Personen und Institutionen, die sich für die russische Kultur engagieren bzw. kulturelle Anlässe mit
Schwerpunkt „Russland“ organisieren.
Ein weiterer Tätigkeitsbereich war die Pflege der seit Ende der 80iger Jahre
bestehenden Kontakte und die Anbahnung neuer Beziehungen zu russischen Künstlern. Dank dem Internet wurde
die Kommunikation mit Russland zur Selbstverständlichkeit. Der Bekanntheitsgrad von OKNO bewirkte auch, dass
das KulturAtelier für viele Künstler zu einem beliebten und begehrten Veranstaltungs-und Probenort wurde.

Mitglieder und Besucher

Der Verein zählte rund 60 Mitglieder. Bei den Veranstaltungen verzeichnete OKNO gut 1000 Besucherinnen und
Besucher. Dies auch dank der Eröffnung des Ausstellungsraumes.

Veranstaltungsorte

Es fanden alle Anlässe an der Oberdorfstrasse 2 in Zürich statt. Der Ort über den Dächern von Zürich mit Blick
in die Berge und über die Altstadt hat etwas Besonderes. Der helle lichte Ausstellungsraum im 1. Stock
ergänzt die Veranstaltungsmöglichkeiten.

Organisation

 

Vorstandmitglieder:                                                              Organisation/Administration:
                                                                               
Andreas Cincera (Musiker, Musikpädagoge)                               Arina Kowner mit Praktikantinnen
Marina Karlin (Physikerin, Journalistin)
Arina Kowner (Kulturunternehmerin, Präsidentin)
Michail Schischkin (Schriftsteller)
Ulrich M. Schmid (Slavistikprofessor)
Maria Shevrekuko (Dozentin/Übersetzerin)

Jahresrechnung

 

Es ist OKNO ein Anliegen, weniger Bekanntes oder praktisch Unbekanntes vorzustellen. So zum Beispiels beim
Film die neueste Animationskunst aus Russland, in der Musik die Werke der  Komponistin Galina Ustvolskaya
oder bei der Bildenden Kunst russische zeitgenössische Kunst.   Höchst aktuell war auch das Thema Russland
und Islam, welches Einblick gab in das zwiespältige Verhältnis zwischen der russischen Politik, der Orthodoxie
und dem Islam, welcher nach dem Untergang der Sowjetunion in verschiedenen GUS Staaten zum Teil wieder
intensiv gelebt wird und oft auch eine politische Dimension bekam.

Eine nähere Beschreibung der einzelnen Abendveranstaltungen finden Sie im Folgenden aufgelistet:

- 22. 01. 2007  Daniel Schnyder Trio – Worlds Beyond mit Daniel Schnyder (Saxophon und Komposition),
Tomoko Sawano
(Klavier) und Stefan Schulz (Posaune). Der in New York lebende bekannte Schweizer Komponist
und Saxophonist bereitete OKNO mit seinem Trio einen fulminantern Jahresbeginn. Das Programm und seine
Interpreten überschritten Länder- und Spartengrenzen: Ost und West, Klassik und Jazz, Musiker aus der
Schweiz/USA, Japan und Deutschland fanden zusammen. Die grenzüberschreitenden Kompositionen Schnyders
 begegneten denjenigen des Russen Alexander Lebedev. Zudem war die instrumentale Zusammensetzung sehr speziell.

- 04. 03. 2007  Das Dritte Rom – Ein Mythos oder politische Realität? Vortrag von Dr. Alexey Makhrov. Die
Theorie von Moskau als dem Dritten Rom wurde 1523/24 vom Mönch Filofei in einem Brief konzipiert, indem er
astrologische Prophezeiungen einer neuen Sintflut widerlegte. „Zwei Roms fielen, das Dritte Rom steht und das
Vierte wird es nie geben.“
Nach der Kirchenspaltung im 17. Jahrhundert trat diese Vorstellung effektiv in Erscheinung
und wurde von den Altgläubigen übernommen. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde diese Theorie jedoch
als Grundlage der russischen Geschichte erklärt und führte zum Krieg von 1877/78, in welchem Russland beinahe
Konstantinopel eroberte. Der Vortrag zeigte, wie dieses Konstrukt auch im 20. Jahrhundert von verschiedenen
Parteien für die Verwirklichung ihrer politischen Zwecke eingesetzt wurde und auch heute als Thema aktuell ist.

- 31. 03. 2007  Zeitgenössische Kammeropern aus St. Petersburg – „Nikolai“ von Mark Belodubrovski und
 „Kuprianov und Natascha“ von Sergei Oskolkov. Beide Kammeropern sind für zwei Sänger Diana Petrova
(Sopran) und Sergei Aprishkin (Bariton) sowie für Klavier (Sergei Oskolkov), Violine (Mark Belodubrovski) uns
Cello (Lev Sivkov) geschrieben. Die Werke sind inspiriert von der Lyrik Daniil Charms und Aleksander Vveedenski;
beides Mitbegründer der Schriftsteller - und Künstlergruppe „Oberiu“, in welcher das Alogische, Absurde und groteske
als Ausdruck der tiefen Tragik des Seins kultiviert wird.

- 22. 04. 2007   Neueste Animationskunst aus Russland mit Otto Alder (Präsentation) und Maria Shevrekuko
(Übersetzung). Es wurden acht Filme aus den Jahren 2003-2006 gezeigt, wovon sechs Schweizer Premieren.
Das Animationsfilmschaffen hat eine lange Tradition in Russland. Die Anfänge liegen vor der Revolution. Gemäss
dem Altmeister und Wegbereiter Fjodor Chitruk liegt die Faszination des Animationsfilms in Folgendem:
„Ein Animator ist wie ein kleiner Gott: erst kreiert er eine Figur und dann haucht er ihr eine Seele ein.“ Trotz
engem politischem Umfeld und Zensur entstanden im Laufe der Jahrzehnte herrliche Meisterwerke. Otto Alder
sprach über die aktuelle Situation in Russland und brachte u. A. sechs Filme, die 2006 entstanden sind. Darunter
auch der Film „Moja Ljubov“ mit dem Alexander Petrov den Oscar gewann
. 

- 12. 05. 2007   Die Künstlerfamilie Pasternak – Literatur, Musik, Philosophie, Malerei und Grafik. Mit dem
Slavistikprofessor Ulrich M. Schmid, der Übersetzerin Christine Fischer und der Pianistin Tamara Kordzadze.
Boris Pasternak (1890-1960) stammte aus einer berühmten Künstlerfamilie Mokaus. Sein Vater Leonid
Pasternak
war ein einflussreicher Maler und Graphiker. Seine Mutter Rosa Kaufman feierte Erfolge als
Konzertpianistin. Der junge Pasternak wollte zuerst eine Musikerlaufbahn einschlagen, wechselte dann zur
Philosophie, welche ihn aber nicht erfüllte. Später als Schriftsteller erläutert er dies in seinem Roman Doktor
Schiwago
: “Meiner Meinung nach sollte Philosophie dem Leben und der Kunst als Gewürz beigegeben werden.
Wer sich ausschliesslich mit Philosophie beschäftigt, kommt mir vor wie ein Mensch, der nur Meerrettich ist.
“ Etwas weniger bekannt ist Pasternaks Lyrik und wer weiss schon, dass er 1936 Oden auf Stalin schrieb.
Christine Fischer trug aus dem von ihr übersetzten Gedichtband „Definition der Poesie“ vor und Tamara
Kordzadze spielte Klavierkompositionen von Boris Pasternak.

- 22. 05. 2007   Totschna goes Odessa  Eine musikalisch-literarische Anspielung mit Sibylle Aeberli
(Stimme/Gitarre), Lukas Heuss (Klarinette/Sax/Stimme), Alexander Ionov (Balalaika/Stimme) und Oleg
Lips Roumiantsev
(Akkordeon/Stimme). Totschna pflegt seit Jahren den russisch-schweizerischen musikalischen
Dialog. Zwei Musiker sind Schweizer, zwei Russen und entsprechend ist das Programm. Das geschichts-
trächtige Musik- und Liedgut der lebensfrohen Vielvölkerstadt Odessa verbindet sich mit schweizerischer Volks-
musik und Kurztexten des 1934 in Odessa geborenen Schriftstellers und Satirikers Michail Schwanetzkij. 
Totschna lässt mit ihrer szenisch interpretierten Musik das kosmopolitische und lebensfrohe Odessa während
einer Weissen Nacht für das Publikum lebendig werden.

  - 23. 08. 2007   Eröffnung des Ausstellungsraumes im 1. Stock an der Oberdorfstrasse 2  mit einer
Einzelausstellung
mit Werken des russischen Künstlers Eduard (Edik) Steinberg aus der Sammlung
von Arina Kowner. Der 1937 in Moskau geborene Künstler gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Moskauer
metaphysischen Malerei. In seinen Arbeiten setzt er sich mit der Ikonenmalerei auseinander und nimmt oft
Bezug zu Werken von Kasimir Malewtisch.  Steinberg verdiente seinen Lebensunterhalt in unterschiedlichen
Tätigkeiten, so als Arbeiter, Fischer oder Hauswart. Als er zeitweise „nur“ künstlerisch tätig war, wurde er
des Parasitismus angeklagt. So begann er 1967 für die Satirezeitschrift Wissen ist Macht zu arbeiten.  Die
Ausstellung zeigte ein breites Spektrum von Bildern aus den unterschiedlichen Schaffensperioden Steinbergs
zwischen 1970 und 1992. 1988 nimmt er an der ersten „Sotheby’s Auktion in Moskau teil. Ab Anfang der
90iger Jahre lebt und arbeitet er abwechselnd in Moskau, Paris und Tarusa.

- 16. 09. 2007   Russland und Islam - Historische, kulturelle, literarische und musikalische Annäherungen
an den Islam mit Ruslan Bazgiev (Islamwissenschafter), Marianne Herold (Historikerin), Ulrich M. Schmid
(Slavist) und Burhan Öçal (Musiker). In Russland leben etwa 20 Millionen Muslime, hauptsächlich in Tatarstan
und im Kaukasus. Das russische Misstrauen gegenüber dem Islam hat eine lange Tradition und ist seit den
Tschetschenienkriegen der neunziger Jahre noch deutlich gewachsen. Islamophobe Tendenzen lassen sich
bei vielen einflussreichen Intellektuellen beobachten, so auch bei Joseph Brodsky und bei Alexander Solschenizyn.
Ruslan Bazgiev aus Tschetschenien, Ulrich Schmid und Marianne Herold zeichnen die schwierige Präsenz des
Islam in Russland nach und weisen auf neueste Entwicklungen in Gesellschaft, Kunst und Literatur hin.
Burhan Öçal begleitet die Ausführungen mit Musik, welche durch den Islam geprägt wurde (Sufi).

- 18. 11. 2007   Troika – Abend  Die Troika in Literatur, Poesie, Musik und bildender Kunst mit Igor Morosow
(Bariton), Boris Chnaider (Klavier/Rezitation) und Maria Shevrekuko (Lesung). Kaum ein Gefährt hat in der
russischen Kultur einen so nachhaltigen Niederschlag gefunden wie die Troika, das Pferde-Dreigespann. Mit
seinem Roman „Die toten Seelen“ machte Nikolai Gogol die Troika vollends zum Symbol des russischen
Volkstums: „Ach meine Troika, mein Dreigespann, das wie ein Vogel dahinfliegt, wer mag es wohl gewesen
sein, der dich erdacht hat? Nur von einem lebhaften, phantasiebegabten Volk konntest du ersonnen werden
und nur in einem Lande, das ernst genommen werden will (…..). Stürmst nicht auch Du, Russland, so dahin,
wie eine kühne Troika, die niemand einholen kann?“ Die Troika spielt sowohl in der klassischen Musik als auch
 in der Volksmusik eine überragende Rolle. Der wohlklingende, volle Bariton Morosows, einfühlsam begleitet von
Boris Chnaider liessen uns durch die Weiten Russlands schweifen. Maria Shevrekuko las aus den „Toten Seelen“
in Russisch und Deutsch.

- 09. 12. 2007   Galina Ustvolskaya (1919 – 2006)  Gedenkkonzert und Hommage zum 1. Todestag der grossen
russischen Komponistin.  Die Einführung in diese komplexe Musik hielt Prof. Dr. Laurenz Lütteken. Es spielte
das Ensemble Tzara mit Gabrielle Brunner (Violine), Murat Cevik (Flöte), Simone Keller (Klavier), Moritz
Müllenbach
(Cello), Martin Sonderegger (Klarinette) und Tobias de Stoutz (Tuba). Auf dem Programm stand:
Trio für Klarinette, Violine und Klavier (1949), Grosses Duett für Violoncello und Klavier (1959) und Dona nobis pacem
für Piccoloflöte , Tuba und Klavier (1970/71). Letzteres ist ein sehr selten gespieltes Werk, welches einzigartig ist
in seiner Radikalität und in seiner aussergewöhnlichen Besetzung. Galina Ustvolskaya lebte und arbeitet in
St. Petersburg, wo sie am 22. Dezember 2006 starb. Ihre unglaublich starke Musik hat etwas Archaisches.
Es ist eine Musik voller Zerrissenheit und doch bestimmt von religiöser Hoffnung. Erst in den 90iger Jahren
wurden Teile dieser Musik im Westen bekannt. Galina Ustvolskaya gilt als die geheimnisvollste russische
Komponistin, aber zugleich auch als die konsequenteste und kompromissloseste.

Gastveranstaltungen

- 07. 06. 2007     27. Ordentliche Jahresversammlung des Deutschschweizer Pen-Zentrums mit
anschliessender Lesung und Diskussion.

- 03. 07. 2007       Konzert für den Gönnerverein des EOS Guitar Quartet.  Es spielten Marcel Ege, Martin
 Pirktl, David Sautter, Michael Winkler
Ausschnitte aus „El circulo màgico“, einer Produktion entstanden in
 Zusammenarbeit mit „Flamencos en route“.

- 11. 11. 2007    Ich fliege mit Dir in das weite Land.  Der Anlass bot einen anregenden und bewegenden
musikalischen Streifzug mit Diana Petrova (Sopran), Tatjana Massalova von Gunten (Klavier) und Isolina
Kobel-Belova
(Volksballett). Die schöne Stimme Diana Petrovas kam voll zur Geltung im abwechslungsreichen,
gekonnt zusammengestellten Programm mit russischen melancholisch-traurig schönen, aber auch schwungvollen
Stadtromanzen von Bulakhow, Glinka,Gurilew, Rachmaninow, Rymsky-Korsakow, Tschaikowskij, Varlamov und
Volksliedern.- Russische Volkstänze ergänzten das musikalische Programm.

  - 16. 11. 2007   Eugen Doga, der moldawische Komponist und Pianist. Eine Veranstaltung der Vereinigung
„Freunde der Republik Moldova“ aus Anlass des 70. Geburtstages des Musikers, der in seinem Land grosse
Anerkennung geniesst: 2007 wurde zum „Jahr des Komponisten Eugen Doga“ ernannt. Der Geehrte sprach
über sein Leben und seine Musik und spielte auch immer wieder aus seinem reichen Repertoire vor. In einem
weiteren Umfeld ist Doga insbesondere als Filmmusikkomponist bekannt. Marina Karlin führte ein Gespräch mit ihm.

 

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Jahresbericht 2006
des Vereins OKNO – Fenster zur russischen Kultur

 

Zu den Zielsetzungen

Im Jahre 2006 setzte der Verein OKNO – Fenster zur Russischen Kultur seine Tätigkeit der Vermittlung und Förderung
russischer Kultur sowie der Unterstützung des Dialoges zwischen russischer und westeuropäischer Kultur fort. Im
Zentrum der Aktivitäten des Vereins stand nach wie vor die monatliche Veranstaltungsreihe. Diese  ermöglichte dem
gemischten schweizerisch-russischen Publikum den Einblick in die verschiedensten Facetten und Perioden der
russischen Kultur. An den Veranstaltungen nahmen Kulturschaffende aus Russland, der Ukraine, Georgien, Deutschland
und der Schweiz teil. Bei zahlreichen Gelegenheiten ist es dem Verein gelungen, russische und Schweizer
Kulturschaffende und Kulturinteressierte zusammen zu bringen. So entstanden auch neue Projekte. Ein ungewöhnlicher
Anlass war das literarische Kurzgeschichten-Pingpong  der zwei verwandten Geister der leisen Ironie Franz Hohler
und Wjatscheslaw Kuprijanow. Zwei Jubiläen wurden besonders gefeiert: der 100. Geburtstag von Dmitri
Schostakowitsch und der 75.  von  Sofia Gubaidulina.

Kulturvermittelung und Kulturförderung

Der Verein OKNO wirkte des Öfteren als Anlaufstelle für Kulturschaffende, die Auftrittsmöglichkeiten suchen sowie für
Personen und Institutionen, die sich für die russische Kultur engagieren bzw. kulturelle Anlässe mit Schwerpunkt
„Russland“ organisieren.   Das KulturAtelier wurde auch für Gast- und Fremdveranstaltungen geöffnet.

Mitglieder und Besucher

Mit Ausnahme des Sofia Gubaidulina-Abends, der am 30. April 2006 im Theater Rigiblick in Zürich durchgeführt wurde,
fanden die Anlässe ausschliesslich in den Räumlichkeiten des KulturAteliers an der Oberdorfstrasse 2 in Zürich statt.
Der Ort über den Dächern von Zürich hat eine besondere Anziehungskraft.

Organisation



 
Vorstandmitgliedglieder:                                             Organisation/Administration

Andreas Cincera (Musiker, Musikpädagoge)                        Arina Kowner
Marina Karlin (Physikerin, Journalistin)                                Maria Shevrekuko (Übersetzerin)

Arina Kowner (Kulturunternehmerin, Präsidentin)
Michail Schischkin (Schriftsteller)
Ulrich M. Schmid (Slavistikprofessor)
Sabine Witt (Kulturjournalistin)

Jahresrechnung

 

Mit der Zuwendung von CHF 59’000.-- durch Arina Kowner konnte ein Ergebnis von CHF 2848.12 erreicht werden.

Veranstaltungen

Im Jahre 2006 wurden zwei Jubiläen begangen, nämlich der 100. Geburtstag des Komponisten Dmitri Schostakowitsch
sowie der 75. der Komponistin Sofia Gubaidulina. - Ebenfalls gewürdigt wurde – in Zusammenarbeit mit der Botschaft
der Russischen Föderation - der Tag der Frau. Dies mit einer Fotoausstellung der Stellung der Frau in Russland und
zeitgenössischen Kompositionen von Frauen. Jungen russischen Musiktalenten aus St. Petersburg wurde die
Möglichkeit gegeben, ihr Talent einem Publikum in der Schweiz zu präsentieren. Wie bereits 2005 fanden auch
im letzten Jahr verschiedene literarisch-musikalische Veranstaltungen statt. Zwei Abende wurden der Poesie gewidmet.
Ralph Dutli gestaltete einen Abend mit seinen Neuübersetzungen von Gedichten von Joseph Brodsky und die zwei
wesensverwandten Lyrikerinnen Ilma Rakusa und Vera Petrova führten einen lyrisch-musikalischen Dialog.

Eine nähere Beschreibung der einzelnen Abendveranstaltungen finden Sie im Folgenden aufgelistet:

- 22. 01. 2006    Hommage an Dmitri Schostakowitsch und Sofia Gubaidulina - 2006 fand das 100- Jahre-Jubiläum
des grossen sowjetischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) statt und Sofia Gubaidulina (*1931),
eine führende Vertreterin der sowjetischen Neuen Musik, feierte ihren 75. Geburtstag. So begann OKNO das
Jubiläumsjahr mit einer Hommage an die beiden Komponisten. Die russischen Musiker Alexander Neustroev
(Cello), Dmitri Demjashkin (Klavier) und Oleg Lips-Roumiantsev (Bajan) interpretierten In Croce, Präludien und
De Profundis von Sofia Gubaidulina und die Cellosonate d-moll, op. 40 von Dmitri Schostakowitsch.

- 19. 02. 2006     Iwan Bunin – verfluchte Tage. Ein Revolutionstagebuch - Die renommierte Übersetzerin  
russischer Literatur Dorothea Trottenberg las aus dem von ihr übersetzten und im Herbst 2005 im Dörlemann-Verlag
erschienenen Band von Iwan Bunin. Darin sind seine autobiografischen Erfah-rungen aus den Jahren 1918-19 im
revolutionären Russland festgehalten. Bunins ablehnende Haltung gegenüber der Revolution kommt in diesem
Buch unverhüllt zum Ausdruck.  Die georgische Pianistin Tea Chkuaseli begleitete gekonnt den Abend am
Klavier und dies mit Werken von Komponisten, die wie Bunin ganz oder teilweise im Exil lebten (Igor Strawinsky,
Sergei Rachmaninow und Sergei  Prokofjew).

 - 08. 03. 2006     Musik und Fotografie - Am Tag der Frau präsentierte OKNO in Zusammenarbeit mit der Botschaft
der Russischen Föderation eine Vernissage des russischen Fotografen Viktor Kiselev mit einer Bilderserie, welche
russische Frauen in drei Lebensphasen und in drei sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Situationen zeigte. Im
musikalischen Teil des Abends spielte die junge Schweizer  Pianistin Simone Keller ungemein ausdrucksstarke
Werke der grossen und im Westen kaum bekannten russischen Komponistin Galina Ustvolskaya (geb.1919) sowie
Klaviermusik von zeitgenössischen Schweizer Komponistinnen - Katharina Rosenberger (geb. 1949) und
Maria
Niederberger (geb. 1971).

- 30. 04. 2006     Sofia Gubaidulinas Galgenlieder (1966) - wurden im Theater Rigiblick gespielt und zwar im Rahmen
der Veranstaltungsreihe zum 100. Geburtstag von Paul Sacher. Dies, da die Werke der russischen Komponistin in der
Stiftung Paul Sacher vertreten sind. Der 15-teilige Zyklus für Stimme (Verena Barbara Gohl), Kontrabass
(Andreas Cincera) und Schlagzeug (Ivan Manzanilla) basiert auf den Texten des gleichnamigen Gedichtbandes
Christian Morgensterns. Die Musik interpretiert und reflektiert die vielschichtigen Bedeutungsebenen der Texte und
findet in theaterähnlichen Szenen eine neue Form. Die Galgenlieder sind ein Spiel mit der Sprache, entsprechend
sind die vielfältigen expressiven Klangbilder der sehr differenzierten  Musik.

- 12.  05. 2006    OKNO Vereinsversammlung  -   Diese hat  gemäss Statuten  zweijährlich zu erfolgen.
Anschliessend fand der äusserst interessante Vortrag des Vorstandsmitgliedes Ulrich M. Schmid statt.

Nach dem Komsomol - Politische Konzeptkunst unter Putin - Der Vortrag behandelte die Jugendpolitik
des Kremls der letzten Jahre mit ihren Bemühungen, eine patriotische und regierungstreue Jugendorganisation zu
schaffen, die innerhalb der russischen Gesellschaft für ein loyales politisches Klima sorgen soll. Nach verschiedenen
Misserfolgen einer traditionellen Jugendpartei und der skandalträchtigen Bewegung „Gemeinsamer Weg“ wurde 2005
mit beträchtlichen finanziellen Mitteln vom Kreml die streng hierarchische Organisation „Die UnsrigenNaschi“, mit
ihren dem sowjetischen Komsomol sowie der konzeptualistischen Kunst der 70iger und 80iger Jahre entnommenen
Strukturen, ins Leben gerufen.

- 28. 05. 2006   Was singt der Vogel im Käfig? Hin- und Her- Lesung mit Franz Hohler und  Wjatscheslaw
Kuprijanow
-  Zwei Meister des Genres spielten sich Kurzgeschichten zu. Ihr Blick auf die Skurrilitäten des Lebens
und ihre Fähigkeit, diese in kurzen Texten darzustellen, macht sie zu „Urenkeln“ von Daniil Charms.  Franz Hohler,
der „ phantastische Realist“ antwortete auf die Texte des „Anit-Utopisten“ Wjatscheslaw Kuprijanow mit eigenen Texten
und trug einige schweizerdeutsche Übersetzungen von Gedichten Kuprijanows vor. Es war ein künstlerischer Wettstreit
mit erfolgreichem Ausgang.

  - 30. 06. 2006  Wie es Euch gefällt. Eine Weisse Nacht mit russischer Klaviermusik -  Fünf Pianistinnen - zehn
Hände gestalteten den weiblichen Klaviermarathon mit russischer Klaviermusik aus zwei Jahrhunderten von der Romantik
bis zur Avantgarde. Es spielten  Elina Kaikova, Tamara Kordzadze, Kristine Stutidze, Tea Chkuaseli und Simone
Keller
. Sie interpretierten Werke von Mussorgskij, Tschaikowsky, Rachmaninow, Skrjabin, Strawinsky und Ustvolskaya
für zwei, vier und sechs Hände.   Die Musikerinnen aus Russland, Georgien und der Schweiz gestalteten diesen höchst
anregenden und spannungsreichen Anlass. Da zwei Musikerinnen Stipendiatinnen der Lyra Stiftung waren, wurde deren
Honorar von der Bank Vontobel AG unterstützt.

- 01. 10. 2006   Das Gesamtkunstwerk in der russischen Avantgarde: Prosagedicht, Grafik, Film -  Die Schweizer
Slavisten Ulrich M. Schmid (Ruhr-Universität Bochum) und Adrian J. Wanner (Pennsylvania State University) zeigten
anhand von unterschiedlichen Werken, darunter dem Prosagedichtalbum Klänge von Wassily Kandinsky, wie sich die Idee
des Gesamtkunstwerkes in der russischen Avantgardekunst konkret manifestiert. Insbesondere wurden auch Entwicklungs-
linien aufgezeigt, die von der Avantgarde zur Gegenwartskunst führen. Die multimedialen Vorträge wurden von einer Ausstellung
mit Werken des Moskauer Künstlers Eduard Steinbergs (*1937) begleitet, einem der grossen Vertreter der sowjetischen in-
offiziellen Kunst der 60iger – 80iger Jahre des 20. Jahrhunderts.

- 29. 10. 2006   Junge Klassik-Virtuosen aus St. Petersburg - Sechs Kinder und Jugendliche aus dem Lyzeum am Konser-
vatorium St. Petersburg spielten im Rahmen einer Schweizer Konzerttournee, organisiert und unterstützt von der Stiftung
St. Petersburg (CH), im KulturAtelier. Eine Begegnung mit  jungen Musiktalenten ist immer ein besonderes Erlebnis. Es
musizierten mit einem abwechslungsreichen, vielseitigen Programm Daria Korotkova (11 Jahre, Klavier), Elizaveta Tjun
(11 Jahre, Violine), Anna Markova (16 Jahre, Klavier), Kirill Tatschenko (17 Jahre, Cello), Sergei Dogadin
(18 Jahre, Violine) und Stanislav Tschernyshev (18 Jahre, Klarinette). Die Musikpädagogin Elena Djakova
begleitete sehr einfühlsam die Jugendlichen auf dem Klavier. Die Konzerttournee wurde von der kompetenten
Lyzeumsdirektorin Valentina Fedossejeva
betreut.

- 19. 11. 2006  Was braucht es für ein Wunder? - Der renommierte Übersetzer Ralph Dutli gestaltete einen Abend mit
seinen Neuübersetzungen von Gedichten Joseph Brodskys (1940 – 1996) aus dem Band „Brief in die Oase“ (2006).
Zehn Jahre nach Brodskys Tod erschien mit diesem Band die bisher umfangreichste deutschsprachige Sammlung von
Gedichten des russisch-amerikanischen Lyrikers, Essayisten und Literaturnobelpreisträgers, eine repräsentative Auswahl
aus allen seinen Gedichtbüchern von 1970 bis 1996. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf den hierzulande noch gänzlich
unbekannten testamentähnlichen Werken aus Brodskys letzten Lebensjahren. „Wer Brodskys Lyrik in Dutlis kongenialer
Übertragung liest, taucht in eine poetische Sprachwelt ein, die den Sinn nicht auf den Begriff reduziert, sondern eine eigene
Lautwahrheit begründet (NZZ).“

- 03. 12. 2006 Vera Pavlova und Ilma Rakusa im lyrisch-musikalishen Dialog - Zwei wesensverwandte Lyrikerinnen
trafen sich im KulturAtelier und tauschten Poetisches und Musikalisches aus. Die Schriftstellerin, Übersetzerin und Publizistin
Ilma Rakusa stellte Vera Pavlova vor. Die bekannte Moskauer Lyrikerin gehört der jungen Generation der „Dichterzunft“
(Cech poetov) Russlands an und führt zugleich eine grosse Tradition der russischen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts fort,
vor allem jene Marina Zwetajewas. An diesem Abend standen Liebesgedichte im Mittelpunkt. Vera Pavlova las eine Auswahl
von Werken aus den letzten zwei Jahrzehnten. Ilma Rakusa trug die Übersetzungen ins Deutsche vor und antwortete mit
eigenen poetischen Texten aus den Bänden“ Ein Strich durch alles“ und“ Love after Love“. Die Lesung wurde durch
Vokalmusik Tschaikowskjis und Purcells begleitet (
Stimme – Vera Palova, Klavier  - Ilma Rakusa).$

 

Fremdveranstaltungen

- 17./18. 06. 2006  Der Verein Detskij Gorodok veranstaltete im KulturAtelier für Kinder und Jugendliche eine zweitägige
Veranstaltung mit zwei bekannten russischen Kinderschriftstellern Eduard Uspenskij und Andrej Usachev.

-  22. – 24. 06. 2006  Workshop von Frau Corina Peter über Hawaiianische Kultur und Sprache mit  Kahu
Kapi’ioho’okalani Lyons Naone
. Er kommt aus Kipahulu, Maui, Hawai’i,  ist ein hawaiianischer Kahuna, und lehrt
eine alte urhawaiianische Heilmethode, die Iluna A’e heisst und seit vielen Generationen innerhalb seiner Familie
weitergegeben wurde.

Gastveranstaltungen

-  07. 07. 2006   Konzert für den Gönnerverein des Eos Guitar Quartet mit den Musikern Marcel Ege, Martin Pirktl,
 David Sautter, Michael Winkler. Programm nach Ansage.